
Der angekündigte Rückzug von Ryanair trifft den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) stärker als bislang erwartet. Schon 2026 rechnet die Flughafengesellschaft mit sinkenden Passagierzahlen. Für das kommende Jahr wurden die Erwartungen deutlich nach unten korrigiert. Der Flughafen reagiert mit einem Sparkurs und verschiebt Investitionen.
Der Flughafen Berlin Brandenburg muss seine Passagierprognosen für dieses und das kommende Jahr nach unten korrigieren. Grund ist vor allem die Entscheidung der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, ihre Basis am BER Ende Oktober zu schließen und das Flugangebot deutlich zu reduzieren.
Wie Flughafenchefin Aletta von Massenbach der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärte, erwartet der BER für das laufende Jahr nur noch 25,7 Millionen Passagiere. Im vergangenen Jahr waren es noch über 26 Millionen. Von Massenbach sprach in diesem Zusammenhang ausdrücklich von einem „Ryanair-Effekt“.
Noch deutlicher dürfte sich der Rückzug im kommenden Jahr bemerkbar machen. Für 2027 geht die Flughafengesellschaft inzwischen von 25 bis 25,2 Millionen Fluggästen aus. Ursprünglich hatte der BER mit bis zu 27 Millionen Passagieren gerechnet.
Ryanair streicht rund die Hälfte des Angebots am BER
Ryanair hatte angekündigt, ihre Basis am Hauptstadtflughafen zum 24. Oktober 2026 vollständig zu schließen. Betroffen sind sieben bislang am BER stationierte Flugzeuge sowie die dazugehörigen Besatzungen.

Die Fluggesellschaft wird Berlin zwar weiterhin anfliegen, allerdings mit einem deutlich reduzierten Angebot. Nach Angaben der Flughafenchefin fallen durch die Entscheidung jährlich rund 2,5 Millionen Sitzplätze weg. Das entspricht etwa der Hälfte des bisherigen Ryanair-Angebots am BER.
Andere Fluggesellschaften könnten einen Teil der wegfallenden Kapazitäten übernehmen, erklärte von Massenbach. Vollständig ausgleichen lasse sich der Rückzug allerdings nicht. Mit Blick auf die Entscheidung des irischen Billigfliegers sprach die Flughafenchefin von einem „heftigen Schlag“.
Flughafen reagiert mit Sparkurs
Für den BER sind die sinkenden Passagierzahlen auch finanziell ein Rückschlag. Wie die Berliner Morgenpost berichtet, hatte die Flughafengesellschaft erst im November 2025 ein Refinanzierungspaket über 1,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Im Februar 2026 folgte demnach der letzte staatliche Zuschuss von 500 Millionen Euro zur Tilgung alter Baukredite. Seitdem wirtschafte der BER ohne staatliche Bürgschaften.

Angesichts der nun schlechteren Passagierprognosen sollen sämtliche Kosten erneut überprüft und Investitionen verschoben werden. Betroffen sei unter anderem der Rückbau alter Flughafeninfrastruktur aus den 1930er-Jahren. An der Modernisierung der Sicherheitskontrollen im Terminal 1 für rund 18 Millionen Euro halte die Flughafengesellschaft dagegen fest. Neue Kontrolltechnik soll dort die Abfertigung beschleunigen und langfristig Personalkosten senken.
Streit um Standortkosten hält an
Hinter der Entscheidung von Ryanair, die Basis am BER zu schließen, steht auch der seit längerem schwelende Streit über die Kosten des Luftverkehrs in Deutschland. Die Airline kritisiert insbesondere die staatlich verursachten Steuern und Gebühren und hatte den BER zuletzt als „erfolglosesten Flughafen Europas“ bezeichnet.

Von Massenbach zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit der Fluggesellschaft über die hohen Standortkosten. Die Kritik richte sich ihrer Ansicht nach allerdings weniger gegen den Hauptstadtflughafen selbst als gegen die allgemeinen Rahmenbedingungen in Deutschland. „Alles, was sie gegen den BER sagen, sagen sie gegen Deutschland“, sagte die Flughafenchefin.
Die deutsche Luftverkehrsbranche fordert seit längerem Entlastungen bei Steuern und Gebühren. Aus Sicht der Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber sind die vergleichsweise hohen Kosten ein wesentlicher Grund dafür, dass sich das Flugangebot in Deutschland seit der Corona-Pandemie langsamer erholt als in vielen anderen europäischen Ländern.


