
Ostdeutsche Flughäfen haben seit 2019 zahlreiche Verbindungen verloren. Der neue Konnektivitätsatlas des BDL zeigt: In Sachsen, Berlin und Rostock-Laage schrumpft das Flugangebot stärker als im Bundesdurchschnitt. Besonders betroffen sind auch Verbindungen zu internationalen Drehkreuzen. Erfurt-Weimar wächst dagegen mit Ferienflügen.
Die meisten ostdeutschen Flughäfen haben seit 2019 deutlich an Flugangebot verloren. Für Dresden und Leipzig/Halle weist der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) zusammen 40 Prozent weniger Flüge aus. In Berlin beträgt der Rückgang 28 Prozent, in Rostock-Laage 64 Prozent. Damit liegen die Einschnitte jeweils über dem bundesweiten Minus von 18 Prozent. Das geht aus dem neuen Konnektivitätsatlas hervor, den der Branchenverband am Montag veröffentlicht hat. Verglichen wird das Flugangebot von 2019 mit den für das Gesamtjahr 2026 geplanten Flügen.
Dresden und Leipzig/Halle: Weniger Zugang zu Drehkreuzen
An den beiden sächsischen Flughäfen sind gegenüber 2019 insgesamt 27 Strecken weggefallen und sechs hinzugekommen. Unter dem Strich sank die Zahl der im Atlas erfassten Verbindungen damit von 50 auf 29 – ein Rückgang um 42 Prozent.
Dresden verlor unter anderem Amsterdam, London, Köln/Bonn und Stuttgart. Zugleich wurde das Angebot zu den verbliebenen Drehkreuzen deutlich reduziert: Nach Frankfurt gibt es rund ein Drittel weniger Flüge, nach München und nach Zürich etwa die Hälfte weniger. Zuwächse verzeichnet der Atlas dagegen nach Antalya. Als neue Verbindungen gegenüber 2019 führt er unter anderem Bozen und Heraklion auf.

In Leipzig/Halle fehlen unter anderem München, Düsseldorf und Zürich. Die Zahl der Flüge nach Frankfurt und Wien sank jeweils um knapp ein Drittel. Mehr Angebot gibt es dagegen auf mehreren Ferienrouten, etwa nach Palma de Mallorca, Hurghada und auf die Kanaren.
Berlin: Weitere Kürzungen stehen bevor
Für Berlin weist der BDL statt 162 nur noch 150 Direktziele aus. Gegenüber 2019 fehlen etwa Toulouse, Turin und Singapur. Auf bestehenden Strecken wurde ebenfalls gekürzt: Nach München gibt es 62 Prozent weniger Flüge, nach Frankfurt 33 Prozent und nach Amsterdam 36 Prozent.
Mit der Schließung der Ryanair-Basis Ende Oktober stehen dem BER weitere Kürzungen bevor. Zwar bauen Eurowings und Wizz Air ihr Angebot aus. Die wegfallenden Kapazitäten können sie kurzfristig aber voraussichtlich nicht vollständig ersetzen.

Inzwischen hat der BER auch seine Passagierprognosen nach unten korrigiert. Die Flughafengesellschaft reagiert auf den Ryanair-Rückzug mit einem Sparkurs und verschiebt Investitionen.
Rostock-Laage: Antalya bleibt in der Auswertung übrig
Für Rostock-Laage erfasst der Atlas nur noch Antalya als Direktziel. Gegenüber 2019 fehlen München und Palma de Mallorca. Die Antalya-Verbindung legte zwar um rund 50 Prozent zu, konnte die Verluste insgesamt aber nicht ausgleichen. Die Aussage bezieht sich auf die vom BDL erfassten Strecken, nicht auf sämtliche Sonder- und Charterflüge des Flughafens.
Erfurt-Weimar: Wachstum vor allem für Urlauber
Anders entwickelt sich Erfurt-Weimar: Dort sorgen Ferienflüge für Wachstum. Gegenüber 2019 nahm das im Atlas erfasste Flugangebot auf niedrigem Ausgangsniveau um 190 Prozent zu. Neben Antalya und Palma de Mallorca wird nun auch Hurghada als Direktziel aufgeführt. Das Wachstum entfällt damit auf touristische Verbindungen.
Dieser Schwerpunkt zeigt sich auch im Sommerflugplan 2026: Das Mallorca-Angebot wurde ausgebaut, außerdem ergänzen Flüge nach Heraklion und Rhodos das Programm. Das tatsächliche Reiseangebot ist damit breiter, als die drei im Atlas erfassten Strecken vermuten lassen.
Staatlich abgesicherte Zubringer bislang keine konkrete Lösung
Um gefährdete Drehkreuzverbindungen zu sichern, hatte Lufthansa im September staatlich gestützte Flüge über sogenannte Public Service Obligations (PSO) ins Gespräch gebracht. Der Vorschlag stößt in Ostdeutschland bislang jedoch auf erhebliche Zurückhaltung.

Sachsens Finanzministerium bewertet das Modell skeptisch und nannte auf Anfrage von Luftraum Ost keine konkrete Strecke, für die eine Förderung vorbereitet werde. Auch die Mitteldeutsche Flughafen AG verwies auf hohe rechtliche Hürden, den Finanzierungsbedarf und wirtschaftliche Risiken.
Mecklenburg-Vorpommern plant ebenfalls keine Neuauflage geförderter Linienflüge ab Rostock-Laage. Das Wirtschaftsministerium verwies gegenüber Luftraum Ost auf frühere Erfahrungen: Zwischen 2002 und 2009 wurden Verbindungen im Schnitt mit rund 1,7 Millionen Euro jährlich unterstützt. Wegen der geringen Auslastung und fehlenden Kostendeckung habe sich die Förderung nicht bewährt.
Der BDL fordert unterdessen niedrigere staatliche Standortkosten, unter anderem durch die Abschaffung der Luftverkehrsteuer. Der Branchenverband sieht in der Kostenbelastung die Hauptursache für das geschrumpfte Flugangebot.



