Zur Eröffnung der neuen Endmontagelinie für die D328eco durchschnitten Vertreter von Deutsche Aircraft und Politik symbolisch das Band. Im Hintergrund ist bereits ein Flugzeugrumpf in der neuen Werkshalle am Flughafen Leipzig/Halle zu sehen. (Foto: Deutsche Aircraft)

Deutsche Aircraft hat am Flughafen Leipzig/Halle seine neue Endmontagelinie für die D328eco eröffnet. Bis zu 48 Regionalflugzeuge sollen hier künftig pro Jahr entstehen. Schon Anfang 2027 soll der erste Testflieger fertig werden. Doch eine entscheidende Frage bleibt: Wie groß ist der Markt für einen neuen 40-Sitzer tatsächlich?

Deutsche Aircraft hat am Flughafen Leipzig/Halle die neue Montagelinie für die D328eco in Betrieb genommen. Damit beginnt dort die Vorbereitung auf die Serienfertigung des Regionalflugzeugs. Auf dem über 60.000 Quadratmeter großen Gelände wurden nach Unternehmensangaben mehr als 100 Millionen Euro investiert; mit dem Produktionshochlauf sollen rund 250 neue Arbeitsplätze entstehen.

Leipzig/Halle übernimmt damit künftig Endmontage, Flugvorbereitung und Auslieferung der Maschinen. Entwicklung, Flugerprobung und Zertifizierung bleiben im oberbayerischen Oberpfaffenhofen. Die Anlage ist auf eine Kapazität von bis zu 48 Flugzeugen pro Jahr ausgelegt.

In der Werkshalle am Flughafen Leipzig/Halle werden künftig Regionalflugzeuge vom Typ D328eco montiert und für die Auslieferung vorbereitet. (Visualisierung: Deutsche Aircraft)

Der erste in Leipzig/Halle montierte Testflieger soll nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur im ersten Quartal 2027 fertiggestellt werden. Ab 2028 ist die Serienfertigung von Passagiermaschinen vorgesehen.

Dornier 328 als Grundlage

Ganz neu ist das Flugzeug selbst allerdings nicht. Die D328eco basiert auf der Dornier 328, die bereits Anfang der 1990er-Jahre entwickelt wurde. Die 328 war eines der letzten erfolgreichen Flugzeugprogramme der historischen Dornier-Werke und gehört zu den bislang letzten Verkehrsflugzeugen, die vollständig in Deutschland entwickelt und gebaut wurden.

Deutsche Aircraft übernimmt von der früheren Maschine vor allem das grundlegende Konzept. Antrieb, Propeller, Avionik sowie Kommunikations- und Navigationssysteme werden dagegen erneuert. Die D328eco ist für rund 40 Passagiere ausgelegt und soll insbesondere auf kurzen Regionalstrecken eingesetzt werden.

D328eco: Neustart mit bekanntem Modell

Der Flugzeugbauer Deutsche Aircraft will am Flughafen Leipzig/Halle künftig Regionalflugzeuge bauen. Schon in wenigen Jahren sollen die ersten Flugzeuge vom Band rollen.

Neuer Flieger soll Marktlücke treffen

Mit rund 40 Sitzplätzen tritt die D328eco in einer Größenklasse an, aus der sich in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Hersteller zurückgezogen haben. Gerade darin sieht Deutsche Aircraft eine Marktlücke. Bereits 2020 verwies der Geschäftsführer von Deutsche Aircraft, Nico Neumann, im Interview mit Luftraum Ost darauf, dass sich weltweit zahlreiche Regionalflugzeuge dem Ende ihrer wirtschaftlichen Lebensdauer näherten. Gleichzeitig erwarte das Unternehmen neue Nachfrage insbesondere in Wachstumsmärkten wie Asien.

Beim ersten Spatenstich für die neue Werkshalle 2023 wurde Deutsche Aircraft konkreter. Das Unternehmen ging damals von weltweit rund 3.500 Regionalflugzeugen aus, die in den kommenden Jahren ersetzt werden müssten. Langfristig wolle man rund 500 D328eco verkaufen, sagte Neumann damals.

Zweifel am europäischen Markt

Ob tatsächlich ausreichend Fluggesellschaften einen neuen 40-Sitzer benötigen, gehört deshalb weiterhin zu den entscheidenden Fragen des Projekts.

Bereits 2024 hatte der frühere Luftfahrtunternehmer Hans Rudolf Wöhrl im Gespräch mit Luftraum Ost Zweifel insbesondere am europäischen Zubringerverkehr geäußert. Weil Slots an großen Flughäfen knapp seien, hätten Airlines dort einen Anreiz, möglichst viele Passagiere mit einem einzigen Flug zu transportieren.

Zurück zum Flugzeugbau: Was Deutsche Aircraft in Leipzig/Halle vorhat

Am Flughafen Leipzig/Halle will Deutsche Aircraft künftig die D328eco bauen. Im Interview mit Luftraum Ost spricht Programmleiter Nico Neumann über das Konzept des neuen Regionalflugzeugs, die Wahl des Standorts und die Perspektiven alternativer Antriebe.

Für Deutschland und Europa sei die Maschine als Zubringer zu großen Flughäfen deshalb aus seiner Sicht zu klein. Chancen sieht Wöhrl dagegen eher auf direkten Regionalverbindungen in anderen Märkten.

Ähnlich schätzt Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt die Lage heute ein. Dem Mitteldeutschen Rundfunk sagte Großbongardt, mögliche Absatzmärkte sehe er insbesondere in Südamerika, Indien und anderen Teilen Asiens. In Europa erwartet er dagegen nur begrenztes Potenzial.

Deutsche Aircraft argumentiert dagegen, dass kleinere Turboprops gerade auf kurzen Strecken wirtschaftliche Vorteile bieten können. Bereits 2020 erklärte Neumann im Interview mit Luftraum Ost, dass bei einem stärkeren Fokus auf geringeren Treibstoffverbrauch und niedrigere Emissionen im Regionalverkehr kleine Turboprop-Flugzeuge wieder an Bedeutung gewinnen könnten.

Einen potenziellen Erstkunden gibt es schon länger: Die deutsche Bedarfsfluggesellschaft PrivateWings unterzeichnete eine Absichtserklärung für fünf Maschinen. Sie betreibt bereits Flugzeuge des Vorgängermodells Dornier 328. Eine solche Vereinbarung ist allerdings noch keine verbindliche Bestellung. Einem MDR-Bericht zufolge ist nach aktuellem Stand noch kein Flugzeug fest verkauft.

SAF statt neuer Antriebstechnik

Nachhaltige Flugkraftstoffe, sogenannte Sustainable Aviation Fuels (SAF), bilden einen wesentlichen Teil des Konzepts. Die D328eco soll mit SAF betrieben werden können. Bereits beim ersten Spatenstich für die neue Werkshalle 2023 warb Neumann dafür, zunächst auf Technologien zu setzen, die kurzfristig verfügbar seien. „Wir brauchen eine Klimawirkung heute und nicht erst in 20 Jahren“, sagte er damals. Für die kommenden Jahre führe deshalb aus Sicht von Deutsche Aircraft kein Weg an SAF vorbei.

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Gleichzeitig beschäftigte sich das Unternehmen schon früh mit weitergehenden Antriebstechnologien. Im Luftraum-Ost-Interview von 2020 sprach Neumann unter anderem über Wasserstoff und Brennstoffzellen. Für ein Verkehrsflugzeug dieser Größenordnung hielt er solche Lösungen damals allerdings noch für eine langfristige Perspektive.

Auch Bundeswehr könnte Kunde werden

Inzwischen zeichnet sich allerdings noch ein weiterer möglicher Absatzmarkt ab. Nach Angaben der dpa führt Deutsche Aircraft erste Gespräche mit dem Bundesverteidigungsministerium und dem Bundesinnenministerium über eine mögliche Nutzung entsprechender Flugzeuge.

Markus Hahner, bei Deutsche Aircraft für Geschäftsentwicklung im Bereich Militär und Sicherheit zuständig, verwies dabei auf mögliche Aufgaben beim Materialtransport, der medizinischen Evakuierung, der Grenzüberwachung oder der Brandbekämpfung. Ob aus den Gesprächen konkrete Beschaffungsprojekte entstehen, ist bislang offen.

Grundsätzlich besitzt die Plattform dafür entsprechende Voraussetzungen. Die Dornier 328 ist ein Kurzstartflugzeug und kann auch auf vergleichsweise einfachen Pisten eingesetzt werden. Varianten des Vorgängermodells werden bereits von den US-Streitkräften für spezielle Aufgaben genutzt.

Flugzeugbau kehrt nach Sachsen zurück

Für die Region ist die Eröffnung des neuen Flugzeugwerks nicht nur wirtschaftlich von Bedeutung. Mit der Ansiedlung von Deutsche Aircraft kehrt auch der Flugzeugbau nach Sachsen zurück. Unternehmenschef Nico Neumann sieht darin zugleich einen Schritt, um technisches Know-how und zentrale Fähigkeiten im Flugzeugbau wieder stärker in Deutschland zu bündeln.

Ob die D328eco selbst zu einer dauerhaften Erfolgsgeschichte wird, ist allerdings noch offen. Nach der Eröffnung des Werks beginnt für Deutsche Aircraft nun die entscheidende Phase: Das Unternehmen muss das Flugzeug fertig entwickeln und zulassen, die Produktion hochfahren – und genügend Kunden gewinnen, um die geplante Kapazität von bis zu 48 Maschinen im Jahr auszulasten.

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