Ein nur 138 Kilogramm leichtes Solarflugzeug hat in Cochstedt seinen Jungfernflug bestanden.
Das unbemannte und ungewöhnlich leichte Flugzeug „HAP-alpha“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat seinen ersten Flug absolviert. Der Erstflug fand am 2. September im Nationalen Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme in Cochstedt statt. Wie das DLR mitteilte, blieb das Fluggerät dabei zunächst in niedriger Höhe. Rund 70 Minuten war HAP-alpha in der Luft und stieg in dieser Zeit bis auf 180 Meter über Grund.
Mit dem Test wollte das DLR vor allem überprüfen, wie sich das neu entwickelte Luftfahrzeug tatsächlich in der Luft verhält. Dazu flog die Crew zuvor festgelegte Manöver mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Höhen. Die dabei gewonnenen Daten sollen nun mit den bisherigen Flugmodellen abgeglichen werden. Vor dem nächsten Erprobungsflug in niedriger Höhe will das DLR die Ergebnisse auswerten und das Testprogramm weiter optimieren.
Extrem leicht und empfindlich gegen Wind
HAP-alpha unterscheidet sich deutlich von klassischen Drohnen. Es hat eine Spannweite von 27 Metern, wiegt aber lediglich 138 Kilogramm. Wegen dieser Leichtbauweise reagiert das Fluggerät bereits auf geringe Turbulenzen empfindlich. Für den Erstflug durfte die Windgeschwindigkeit deshalb nach Angaben des DLR einen Meter pro Sekunde nicht überschreiten.
Auch die Fluggeschwindigkeit ist ungewöhnlich niedrig. In Bodennähe bewegt sich HAP-alpha mit etwa 30 Kilometern pro Stunde, in großer Höhe sollen es rund 50 Kilometer pro Stunde sein. Gesteuert wurde das Flugzeug von einem Remote-Piloten aus dem Missionskontrollzentrum in Cochstedt. Zusätzlich stand auf dem Rollfeld ein Sicherheitspilot bereit, der im Notfall hätte übernehmen können.
Später bis in 20 Kilometer Höhe
Der Flug über Cochstedt war allerdings nur der erste Schritt. HAP-alpha ist für Flughöhen von bis zu rund 20 Kilometern ausgelegt und soll später in der unteren Stratosphäre eingesetzt werden. Dort will das DLR unter realen Bedingungen Technologien für hochfliegende, solarbetriebene Plattformen erproben.
Künftig sollen unter anderem ein hochauflösendes Kamera- und Radarsystem mit abheben. Solche Technologien könnten beispielsweise für die Erdbeobachtung eingesetzt werden. Gleichzeitig will das DLR Erfahrungen mit Fluggeräten sammeln, die über längere Zeit in großer Höhe operieren und perspektivisch auch Aufgaben in der Kommunikation übernehmen könnten. Nach Abschluss der Testkampagne in Cochstedt sollen erste Flüge in größeren Höhen über sehr dünn besiedelten Regionen oder über dem Meer folgen.
Cochstedt gewinnt als Teststandort an Bedeutung
Das DLR hatte den früheren Verkehrsflughafen Cochstedt 2019 übernommen und dort das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme aufgebaut. Inzwischen werden am Standort regelmäßig neue Fluggeräte, Antriebe und Anwendungen getestet.
Erst im August wurde in Cochstedt außerdem ein Technologiezentrum für Drohnensicherheit eröffnet. Dort sollen unter realistischen Bedingungen unter anderem Systeme zur Erkennung und Abwehr unerwünschter Drohnen erprobt werden.
Titelbild/Gallerie: DLR/ Leon Jakobs