Hubschrauber des Typs EC-135 werden von der Bundeswehr für Ausbildungsflüge eingesetzt. Bei Grimma kollidierte diese Maschine im Tiefflug mit einem kaum sichtbaren Stahlseil. (Foto: Bundeswehr)

Ein kaum sichtbares Stahlseil über der Mulde hat den tödlichen Hubschrauberabsturz bei Grimma verursacht. Die Besatzung konnte das Hindernis während des Tiefflugs nicht erkennen; alle drei Menschen an Bord kamen ums Leben. Technische Mängel am EC-135 schlossen die Ermittler aus. Die Bundeswehr zieht nun Konsequenzen für die Ausbildung ihrer Hubschrauberbesatzungen.

Gut ein Jahr nach dem tödlichen Absturz eines von der Bundeswehr genutzten Hubschraubers in die Mulde bei Grimma steht die Ursache des Unglücks fest. Demnach kollidierte der Eurocopter EC-135 am 29. Juli 2025 bei einem Tiefflug-Übungsflug mit dem Stahlseil einer Pegelmessstation. Alle drei Besatzungsmitglieder – eine Soldatin und zwei Soldaten – kamen bei dem Absturz ums Leben.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe mitteilte, ergaben die Ermittlungen, dass die Besatzung das Seil im bodennahen Bereich schlicht nicht erkennen konnte. Derartige Hindernisse unterhalb der regulären Mindesthöhen sind in den standardmäßigen Luftfahrtkarten der Bundeswehr nicht verzeichnet. Technische Mängel am Hubschrauber selbst schlossen die Ermittler vollständig aus. Das Seil war in wenigen Metern Höhe quer über die Mulde gespannt und diente dort zu hydrologischen Messungen.

Zum Übungsprogramm für Hubschrauberbesatzungen gehört nach Angaben des Verteidigungsministeriums auch das Unterfliegen von Leitungen oder Brücken. Der Unfall hat deshalb auch Konsequenzen für den Ausbildungsbetrieb. Militärische Tiefflüge unter 100 Fuß über Grund – etwa 30 Meter – mit zivil angemieteten Hubschraubern vom Typ EC-135 bleiben bis auf Weiteres ausgesetzt. Erkenntnisse aus dem Abschlussbericht sollen nach Angaben der Bundeswehr zudem in die Aus- und Weiterbildung des fliegerischen Personals einfließen.

Risikoreiche Tiefflüge

Zwar ist das Risiko von Tiefflügen in geringer Höhe über Wasser oder Gelände bekannt, dennoch kollidieren Hubschrauber oder Flugzeuge bei solchen Manövern immer wieder mit schlecht sichtbaren Drahtseilen, Tragseilen oder Kabeln: Besonders tragisch war etwa der Unfall im italienischen Cavalese im Jahr 1998, als ein US-Militärjet bei einem Tiefflug ein Tragseil einer Seilbahn kappte und 20 Menschen in den Tod riss. Auch 2018 stürzte im Irak ein US-Hubschrauber des Typs HH-60G Pave Hawk ab, nachdem er bei Nachtflugbedingungen ein horizontal gespanntes Stahlkabel touchiert hatte – alle sieben Insassen kamen damals ums Leben.

Einen ähnlichen Zwischenfall gab es 2017 in den Niederlanden: Dort streifte ein niederländischer Apache-Kampfhubschrauber bei einem Nachtflug eine Hochspannungsleitung und wurde schwer beschädigt – in diesem Fall glücklicherweise ohne Todesopfer. Die Unfalluntersuchung sprach später von der schlechten Sichtbarkeit dünner Objekte wie Stromleitungen bei Nacht und begrenzter Umgebungserkennung durch die Besatzung.

Reste der Hochspannungsleitungen am Fahrwerk des Apache-Helikopters (Foto: Onderzoeksraad voor Veiligheid)
Bundeswehr erinnert an die Opfer

Am 29. Juli 2026, genau ein Jahr nach dem Absturz, erinnerte die Bundeswehr am Standort Holzdorf an die drei getöteten Besatzungsmitglieder. Dort fand unter anderem ein Feldgottesdienst statt. Der verunglückte Hubschrauber war am Morgen des Unfalltags vom Militärflugplatz Holzdorf zu seinem Übungsflug gestartet.

Am eigentlichen Unglücksort bei Grimma gab es zum Jahrestag aus Rücksicht auf die Angehörigen keine öffentliche Gedenkveranstaltung. Unterdessen bemüht sich die Stadt Grimma gemeinsam mit den Hinterbliebenen um eine würdige Erinnerung an die Opfer des Unglücks. Wie MDR SACHSEN berichtet, soll in der Nähe der Absturzstelle zwischen Golzern und Trebsen im Landkreis Leipzig ein Gedenkstein errichtet werden. Dieses Vorhaben wurde von den Angehörigen der Verstorbenen gemeinsam mit Kameradinnen und Kameraden des betroffenen Hubschraubergeschwaders 64 vom Fliegerhorst Holzdorf in Brandenburg initiiert und wird von der Stadt aktiv unterstützt.


Dieser Artikel erschien ursprünglich kurz nach dem Absturz. Er wurde im Juli 2026 aktualisiert und um die inzwischen bestätigte Unfallursache sowie die daraus gezogenen Konsequenzen ergänzt.

Facebook
X
LinkedIn
Telegram
WhatsApp
Keine weiteren Beiträge.

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert