
Ein ungewöhnlicher Funkverkehr zwischen der Besatzung einer Frachtmaschine der Schkeuditzer AeroLogic und der Flugsicherung in Los Angeles sorgt derzeit in den sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit. Offenbar wurde eine Anweisung des Lotsen anders zurückgelesen als erteilt– und der Fehler zunächst nicht bemerkt.
Kurz nach dem Start eines Flugs der Frachtfluggesellschaft AeroLogic von Los Angeles nach Frankfurt ist es offenbar zu einem Missverständnis und anschließend zu einer längeren Diskussion zwischen der Cockpitbesatzung und der Flugsicherung gekommen. Betroffen war nach dem Funkmitschnitt von LiveATC.net der Flug mit der Nummer BOX479 am 19. September. Eine offizielle Bestätigung des Vorfalls durch DHL, AeroLogic oder die US-Luftfahrtbehörde FAA liegt bislang nicht vor.
Missverständnis um Abflugroute
Dem veröffentlichten Funkmitschnitt zufolge könnte die Ursache des Missverständnisses in unterschiedlichen Vorstellungen über die vorgesehene Abflugroute gelegen haben. Die Boeing 777F von AeroLogic meldete sich demnach mit der STHBY-ONE-Abflugroute über den Wegpunkt BEALE. Die entsprechende FAA-Abflugkarte führt BEALE als Übergangspunkt dieser Route auf. Der später vom Lotsen genannte Wegpunkt PEVEE gehört dagegen nicht zur STHBY-ONE-Abflugroute.

Möglicherweise ging die Flugsicherung zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die Boeing einer anderen oder kurzfristig geänderten Streckenführung folgen sollte. Im Funkverkehr wurde die Besatzung angewiesen, in Richtung PEVEE zu fliegen. Die Crew verstand die Anweisung offenbar als BEALE und las den Wegpunkt entsprechend zurück. Dieser Readback wurde vom Lotsen zunächst nicht korrigiert.
Was ist ein Readback?
Beim sogenannten Readback wiederholt eine Flugbesatzung sicherheitsrelevante Freigaben und Anweisungen der Flugsicherung. Der Lotse soll das Rücklesen kontrollieren und Abweichungen unmittelbar korrigieren. Nach Angaben der FAA sollen Anweisungen durch das vollständige Anhören des Readbacks überprüft werden.
Scharfer Wortwechsel über Funk
Erst im weiteren Verlauf fiel auf, dass Lotse und Besatzung offenbar von unterschiedlichen Wegpunkten ausgingen. Darauf entwickelte sich ein ungewöhnlich scharfer Wortwechsel. Aus dem Cockpit kam sinngemäß der Hinweis, man habe die Anweisung entsprechend zurückgelesen. Wörtlich fragte ein Crewmitglied über Funk schließlich: „So if you don’t listen to the readback, so it’s not our fault, right?“ – also: Wenn der Fluglotse dem Zurücklesen der Anweisung keine Aufmerksamkeit schenke, sei es nicht die Schuld der Crew.

Ob durch das Missverständnis die Sicherheit der Boeing oder eines anderen Flugzeugs beeinträchtigt war, lässt sich anhand des Funkmitschnitts nicht feststellen. Aus der Aufzeichnung geht nicht hervor, wie groß mögliche Abstände zu anderen Flugzeugen waren oder ob eine konkrete Kollisionsgefahr bestand.
US-Phraseologie weicht teils von ICAO-Standards ab
Eine Besonderheit des amerikanischen Flugverkehrs ist die teilweise eigene FAA-Phraseologie, die von den international üblichen ICAO-Standards abweichen. Diese Unterschiede werden in der internationalen Luftfahrt seit Jahren kritisch diskutiert, weil uneinheitliche Formulierungen Missverständnisse begünstigen können. Eine von der Flight Safety Foundation zusammengefasste Untersuchung von IATA, IFALPA und IFATCA kam zu dem Ergebnis, dass Piloten und Fluglotsen aus Nordamerika besonders häufig im Zusammenhang mit Abweichungen von standardisierter ICAO-Phraseologie genannt wurden.

Die ICAO weist ausdrücklich darauf hin, dass Fluglotsen und Besatzungen korrekte und ungekürzte Phraseologie verwenden sollten. Andernfalls könnten unnötiger Funkverkehr, Readback- oder Hearback-Fehler sowie Abweichungen von der vorgesehenen Flugführung die Folge sein.
Für AeroLogic ist Los Angeles bereits in der Vergangenheit Schauplatz eines ernsten Vorfalls gewesen. Im September 2025 überquerte eine Boeing 777F der Frachtfluggesellschaft nach der Landung eine aktive Startbahn. Ein Airbus A321 von American Airlines musste daraufhin den Start abbrechen.




