Beim Abflug einer Boeing 777F der AeroLogic aus Los Angeles kam es zu einem Missverständnis zwischen Crew und Flugsicherung. (Foto: DHL)

Ein ungewöhnlicher Funkverkehr zwischen der Besatzung einer Frachtmaschine der Schkeuditzer AeroLogic und der Flugsicherung in Los Angeles sorgt derzeit in den sozialen Netzwerken für Aufmerksamkeit. Offenbar wurde eine Anweisung des Lotsen anders zurückgelesen als erteilt– und der Fehler zunächst nicht bemerkt.

Kurz nach dem Start eines Flugs der Frachtfluggesellschaft AeroLogic von Los Angeles nach Frankfurt ist es zu einem Missverständnis und anschließend zu einer längeren Diskussion zwischen der Cockpitbesatzung und der Flugsicherung gekommen. Betroffen war nach dem Funkmitschnitt von LiveATC.net der Flug mit der Nummer BOX479.

AeroLogic-Mitgesellschafterin DHL Express hat den Vorfall auf Nachfrage von Luftraum Ost inzwischen bestätigt. Dem Unternehmen zufolge kam es am 19. September 2026 nach dem Start von BOX479 in Los Angeles „kurzfristig zu einer unterschiedlichen Interpretation“ einer Freigabe zwischen Cockpitbesatzung und Flugsicherung. AeroLogic arbeite den Vorgang derzeit auf Grundlage der verfügbaren Informationen auf.

Missverständnis um Abflugroute

Dem veröffentlichten Funkmitschnitt zufolge könnte die Ursache des Missverständnisses in unterschiedlichen Vorstellungen über die vorgesehene Abflugroute gelegen haben. Die Boeing 777F von AeroLogic meldete sich demnach mit der STHBY-ONE-Abflugroute über den Wegpunkt BEALE. Die entsprechende FAA-Abflugkarte führt BEALE als Übergangspunkt dieser Route auf. Der später vom Lotsen genannte Wegpunkt PEVEE gehört dagegen nicht zur STHBY-ONE-Abflugroute.

Die FAA-Abflugkarte für die STHBY-ONE-Abflugroute führt den Wegpunkt BEALE als Übergangspunkt der Route auf. (Quelle: Federal Aviation Administration)

Möglicherweise ging die Flugsicherung zu diesem Zeitpunkt davon aus, dass die Boeing einer anderen oder kurzfristig geänderten Streckenführung folgen sollte. Im Funkverkehr wurde die Besatzung angewiesen, in Richtung PEVEE zu fliegen. Die Crew verstand die Anweisung offenbar als BEALE und las den Wegpunkt entsprechend zurück. Dieser Readback wurde vom Lotsen zunächst nicht korrigiert.

Was ist ein Readback?

Beim sogenannten Readback wiederholt eine Flugbesatzung sicherheitsrelevante Freigaben und Anweisungen der Flugsicherung. Der Lotse soll das Rücklesen kontrollieren und Abweichungen unmittelbar korrigieren. Nach Angaben der FAA sollen Anweisungen durch das vollständige Anhören des Readbacks überprüft werden.

Scharfer Wortwechsel über Funk

Erst im weiteren Verlauf fiel auf, dass Lotse und Besatzung offenbar von unterschiedlichen Wegpunkten ausgingen. Darauf entwickelte sich ein ungewöhnlich scharfer Wortwechsel. Aus dem Cockpit kam sinngemäß der Hinweis, man habe die Anweisung entsprechend zurückgelesen. Wörtlich fragte ein Crewmitglied über Funk schließlich: „So if you don’t listen to the readback, so it’s not our fault, right?“ – also: Wenn der Fluglotse dem Zurücklesen der Anweisung keine Aufmerksamkeit schenke, sei es nicht die Schuld der Crew.

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Nach Angaben von DHL kam es bei dem Vorfall weder zu einer Unterschreitung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zu anderen Luftfahrzeugen noch zu einer Unterschreitung vorgeschriebener Mindesthöhen. Die beteiligten Piloten hätten nach Abschluss des Fluges entsprechend den internen Verfahren einen Bericht erstellt, teilte DHL auf Anfrage von Luftraum Ost mit. Ein Bericht der US-Luftfahrtbehörde FAA zu dem Ereignis liege AeroLogic bislang nicht vor.

US-Phraseologie weicht teils von ICAO-Standards ab

Eine Besonderheit des amerikanischen Flugverkehrs ist die teilweise eigene FAA-Phraseologie, die von den international üblichen ICAO-Standards abweichen. Diese Unterschiede werden in der internationalen Luftfahrt seit Jahren kritisch diskutiert, weil uneinheitliche Formulierungen Missverständnisse begünstigen können. Eine von der Flight Safety Foundation zusammengefasste Untersuchung von IATA, IFALPA und IFATCA kam zu dem Ergebnis, dass Piloten und Fluglotsen aus Nordamerika besonders häufig im Zusammenhang mit Abweichungen von standardisierter ICAO-Phraseologie genannt wurden.

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Die ICAO weist ausdrücklich darauf hin, dass Fluglotsen und Besatzungen korrekte und ungekürzte Phraseologie verwenden sollten. Andernfalls könnten unnötiger Funkverkehr, Readback- oder Hearback-Fehler sowie Abweichungen von der vorgesehenen Flugführung die Folge sein.

Für AeroLogic ist Los Angeles bereits in der Vergangenheit Schauplatz eines ernsten Vorfalls gewesen. Im September 2025 überquerte eine Boeing 777F der Frachtfluggesellschaft nach der Landung eine aktive Startbahn. Ein Airbus A321 von American Airlines musste daraufhin den Start abbrechen.

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Transparenzhinweis: Der Artikel vom 26.09.2026 wurde nach einer Stellungnahme von DHL am 29.09.2026 aktualisiert. Zuvor beruhte die Darstellung des Vorfalls im Wesentlichen auf einem veröffentlichten Funkmitschnitt. DHL bestätigte den Vorfall inzwischen und erklärte, dass nach derzeitigen Erkenntnissen weder vorgeschriebene Sicherheitsabstände zu anderen Luftfahrzeugen noch vorgeschriebene Mindesthöhen unterschritten wurden.

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